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Das Stück (ausführliche
Textfassung)
"Höchste Eisenbahn!" spielt zwischen großen
Bahnhöfen und kleinen Stationen, auf denen sich die
unterschiedlichsten Menschen treffen, ihre Geschichten
erzählen und ihre Meinungen äußern. Die
Szenenfolge ist dabei in Form eines Nummernprogramms aufgebaut.
Es treffen unter anderem aufeinander: Gepäckträger,
sächsische und englische Reisegruppen, "Strohwitwen",
ein Hochzeitspaar und die "Unschuld vom Lande".
Durchzogen wird die Hollaender-Revue von einer ganz spezifischen
Zeitstimmung, die im Herbst des Jahres 1932 überall
in Berlin spürbar gewesen sein muß. Als die
SA-Trupps zunehmend das Straßenbild prägten
und das Ende der Weimarer Republik bereits greifbar nahe
gerückt war, gelang es den Gegnern der Nationalsozialisten
nicht, sich zum Widerstand zu formieren. Sie fühlten
sich gelähmt, trotz aller Rastlosigkeit, entfremdet
von sich selbst und ihren Mitmenschen, sie ahnten die
Katastrophe und harrten dennoch untätig dem Kommenden.
Hollaender gab dieser Stimmung in seinen Texten und Musiken
Ausdruck, aber er ging zugleich darüber hinaus, indem
er versuchte, seine Zuschauer durch satirische Texte aufzurütteln
und sie zu einer Stellungnahme gegenüber intoleranten,
demokratiefeindlichen Äußerungen aufzurufen.
Komische Nummern rundeten die Revue ab und boten dem Zuschauer
Momente der Entspannung zwischen den zeitbezogenen Liedern
und Szenen.
Zur Form
In der von ihm kreierten Form der Kabarettrevue verband
Hollaender die politische Satire des Kabaretts mit Elementen
der Revue:
Die einzelnen Nummern werden durch einen roten Faden (hier
das Bahnhofsmotiv) miteinander verbunden, es wechseln
sich Lieder mit Sketchen und Tanzeinlagen ab, und bisweilen
wirbelt das gesamte Ensemble zugleich über die Bühne.
Die bewußt klein gewählte Bühne (ca. 4x6
Meter) schafft zugleich eine intime Atmosphäre und
ermöglicht einen direkten Kontakt zwischen Zuschauern
und Darstellern. Auch die Ausstattung ist, im Gegensatz
zur großen Revue mit ihren überdimensionalen
Dekorationen und opulenten Kostümen, eher bescheiden
und kennzeichnet mit einfachen Mitteln treffend die Atmosphäre
des Handlungsortes und jeder einzelnen Nummern.
In rascher Folge wechseln sich so unterschiedliche Themen,
Stimmungen und Darstellungsformen ab, wobei dem dynamischen
Zusammenspiel des Ensembles und der Ausstrahlung und Bühnenpräsenz
jedes einzelnen Akteurs in der Inszenierung eine besondere
Bedeutung zukommt.
Warum heute "Höchste Eisenbahn!"?
Die Texte und Melodien der Revue spiegeln die Atmosphäre
Berlins kurz vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten
wider. In seinen Texten warnt Hollaender dabei vor dem
Zug nach "Nazidonien" und formuliert die Utopie
"Eine Fahne um den Erdball". Dieses engagierte
Plädoyer für Frieden und Völkerverständigung
finden wir angesichts zunehmender Fremdenfeindlichkeit
und erstarkendem Rechtspopulismus in Deutschland und Europa
auch heute wieder aktuell und wichtig.
Darüber hinaus mag das Berliner Kabarettpublikum
zwar die berühmten Chansons von Hollaender oft gehört
haben. Seine Kabarettrevuen aber, die eine der Glanzleistungen
Hollaenders darstellen dürften, sind heute gänzlich
unbekannt. "Höchste Eisenbahn" auch deshalb,
diese großartige Revuette aus der Versenkung zu
holen und sie wieder einem Berliner Publikum zugänglich
zu machen!
weiter ... [mitwirkende]
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